DIE VAG


[VAULT ADMINISTRATION]


Jeder Bürger der Noris verfügt über eine VAG-Karte, die ihn als Mitglied der Nürnberger „Volks- und Arbeitsgemeinschaft“ auszeichnet. VAG-Karten erhalten nur freie und in der Stadt geborene Menschen, die den jährlichen umfangreichen Gesundheitscheck bestanden haben. Neugeborene, die Mutationen aufweisen, werden sofort getötet. Bürgern, bei denen in späteren Lebensjahren Mutationen auftreten oder die gegen die Stadtrechte verstoßen haben, wird die VAG-Karte aberkannt und sie werden aus der Stadt verbannt. Die Chancen, als ehemaliger Bürger außerhalb der Stadt zu überleben, sind verschwindend gering, es wird jedoch berichtet, dass z.T. Kinder und Jugendliche als sog. Moses von den Bewohnern des Tumors aufgenommen und großgezogen wurden.

Händler und Zugreiste können gegen eine saftige Gebühr Stadt-Visa erstehen, die jedoch nie länger als eine Woche am Stück gültig sind und nicht addiert werden können, d.h. nach spätestens einem Woche muss jeder Nicht-Bürger die Stadt für mind. 24h verlassen, bevor ein neues Visum aktiviert werden kann.

Die VAG-Karte hat jeder Norisbürger stets mit sich zu führen, denn die VAG-Kontrolleure, hartnäckige und unbestechliche Söldner der Stadt, sind nicht nur Experten für denkbare schlechte Zeitpunkte, sondern auch darin, ungemütliche Fragen auf noch ungemütlichere Weise zu stellen. Worst Case: Nach einigen Tagen in sehr ungemütlichem Ambiente und mit höchst ungemütlichen Zeitgenossen plötzlich als Vogelfreier vor den Mauern der Stadt zu sitzen und sich in der bedauernswerten Situation zu sehen, sein Leben mit den blanken Fäusten gegen eine  Meute sich hämisch grinsend nähernder Tumorkreaturen verteidigen zu müssen.

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Die VAG hat dieser Tage viel zu tun. Es herrscht Krieg auf den Straßen der Noris, denn spätestens wenn sich Tag- und Nachtschichtler beim täglichen Wechsel begegnen, brennt die Luft. Was anfänglich nur Murren und böse Blicke waren, steigerte sich bald zu Rempeleien und offenen Anfeindungen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis eine improvisierte Klinge im engen, schwitzigen Getümmel ihren Weg ins Ziel fand. Die Schichtler organisieren sich in Banden, basteln sich eigene Erkennungszeichen, tragen Bandenfarben und haben ihre eigenen Regeln. Wer sich keiner Bande anschließen will, lebt gefährlich.

 

Vor kurzem passierte das Unfassbare: Ein VAG Agent wurde tot aufgefunden, erschossen im Rahmen einer Mutprobe oder Aufnahmeprüfung für eine Nachtschichtler-Gang, die sich die Schlaftunnelschlangen oder so nennen. Der Mörder konnte gefasst werden und die Waffe sichergestellt. Die schlimmsten Befürchtungen der VAG bestätigten sich, denn diese funktionsfähige Schusswaffe stammte aus dem Bestand der Söldnergilde, die wenige Tage zuvor einen Einbruch gemeldet hatte. Jetzt ist klar, wo die gestohlenen Waffen gelandet sind. Die VAG verstärkt ihre eigenen Truppen mit Söldnern, teilt Waffen aus den alten Bunkerbeständen aus und gibt Sicherheitsunterweisungen. Niemand traut mehr irgendjemandem auf den Straßen der Noris über den Weg und aus diesem Misstrauen wächst eine Angst, die sich sehr bald in offener Gewalt entladen wird.


Die Lorenzer


[Hinterbliebene]


Direkt bei den Eingängen zu den Schlaftunnels unter der Noris, am Lorenzer Platz, erheben sich die hohen Türme der Lorenzkirche. Ihre riesigen Tore aus Eisen wurden schon vor langer Zeit demontiert, der Rohstoff zu wichtig, um eine Kirche der Hinterbliebenen zu verschließen. Sie gaben sie gerne, halfen sogar noch beim Ausbau der meterhohen Tore, begierig ihren Teil zur Sicherheit und zum Wiederaufblühen der Stadt zu leisten. Der Rat von Nürnberg sah das gerne und wenn man es genau nimmt, sind die Hinterbliebenen mit ihrem Suppenausschank und ihrer freiwilligen Hilfe  bei den Spitalgeistern, aus dem Getriebe der Stadt nicht mehr wegzudenken. Man möchte eigentlich meinen, unerlässlich. Kostenlose motivierte Arbeitskräfte sind, wenn man sich nicht gerade mit Sklavenhandel beschäftigt, schwer aufzutreiben. Die Lorenzer, wie der Volksmund sie nennt, wissen das nur zu gut.

Unter der Führung ihrer Mutter Felicia „die Geißel“ Brütte ist die Bewegung im Schutz der Lorenzkirche zur moralischen Rückversicherung der Stadt geworden. Sie machen die Arbeiten, die sonst niemand tun will, umsonst. Und wenn die unermüdlichen Lorenzer nicht gerade ehrenamtlich fürs Gemeinwohl sorgen, singen sie in ihrer Kirche mehrstimmige Choräle, beten um die Erlösung der Welt und aller Menschen, um Frieden und predigen den vorbeifahrenden Karawanen, die zum Hauptmarkt fahren.

Man munkelt die Suppenküche, die Notschlafstelle für Nicht-Norisianer, Straßenambulanz, die Sterbebegleitung und das Frauenhaus seien nicht ganz ohne Spenden der Stadt aufgebaut worden. Man möchte es sich ja nicht mit dem Kult verscheißen.

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Der alte Großbau der Lorenzer ist dieser Tage so gut besucht, wie wohl seit hundert Jahren nicht. Pilgerströme ergießen sich aus dem Ödland in die Noris, denn alle wollen das Wunder vom Lorenzer Platz sehen: Den geheilten Mutanten.

Nur mit der Kraft ihrer Gebete und dem Segen der alten Mächte will Oberschwester „die Geißel“ Felicia mit ihrem Konvent ein Findelkind aus der Tumorregion von Strahlung und Makel befreit haben.

Die Menschen kommen von nah und fern um das Wunder zu schauen oder sich in der langen Schlange anzustellen, um den nach wie vor ziemlich hässlichen, aber putzmunteren Ex-Mutanten am Fuß zu berühren und eine Spende dazulassen.

Die VAG sieht das gar nicht gerne. Nicht nur, dass sich unter den Pilgern Schmuggler und Mutanten in die saubere Stadt an der Bengatz einschleichen könnten, das könnte man noch eindämmen. Jedoch die Tatsache, dass die Lorenzer wohl über Monate, wenn nicht Jahre, ein Mutantenbaby erfolgreich vor den wachsamen Augen der VAG verstecken konnten, so ein Fauxpas lässt sich vor dem Patrizierrat nicht unter den Teppich kehren. Wie tief sind die Kellergewölbe unter der alten LoKi eigentlich und was verbergen die Ordensschwestern bitte noch alles da unten? Diese Fragen sorgen auch bei den Sebaldern für fester gezurrte Schwertgürtel und erhöhte Aufmerksamkeit. Die Pilgerströme bleiben bei ihnen nämlich aus.


Die Sebalder


[Bruderschaft des Kreuzes]


In der alten gotischen Kirche St. Sebaldus herrscht ein neuer Wind: „Gott will es – Gott kriegt es.“ Man möchte es offiziell keine Reform nennen, eher ein Besinnen auf Tradition und Bewährtes. Es geht um Grundlagensicherung, so versicherte der hochedle Großmeister Wolfhart es dem Rat der Stadt. Entweder war der Schrieb verschlampt worden oder es hatte dieses Memorandum nie gegeben: Eines schönen Webtages war es soweit und die schwer gepanzerten Ritter des Kreuzes wandten sich einem nahen Verschlag zu, den die VAG mehr geduldet als gut geheißen hatte, solange  das Gebäude noch bewohnbar war.

Die Sebalder kamen, warfen die wenigen Insassen hinaus, mitsamt ihrer Habe und machten den Verschlag dem Erdboden gleich. 7 Tage lang schuffteten die Knappen, Aspiraten und Laien der Bruderschaft des Kreuzes auf diesem Boden. Am siebten Tag musste die VAG mehrmals gerufen werden, da das laute und betrunkene Geschrei der Schwertträger durch die ganze Stadt hallte. Als der Großmeister der Sebalder vor den Stadtrat trat, um dieses Verhalten zu erklären, schwieg er sie eine lange Zeit an. Es war Datev, der als Erster seinen Dank ausdrückte und damit das Schweigen in der Ratshalle der Noriser Burg brach.

Niemand kann vom Volk verlangen, die alten Werte und Regeln des Gesetzes zu verinnerlichen, wenn er sie niemals selbst studiert hat. Die Sebalder errichteten in 7 Tagen eine „Schriftsprachenschule“ in der Noris, die erste ihrer Art nach dem Zusammenbruch der Welt. Dort kann jeder versuchen, unter der Anleitung der großen religiöse Denker der Stadt, lesen zu lernen. Der Schreibkurs, geleitet von sehr engagierten Knappen des Ordens, findet im Hinterhof bei einem großen Kasten Sand statt, der immer wieder glatt gestrichen wird. Bislang weigerten sich die Sebalder vehement „selbst mitgebrachte“ Schriften für den Unterricht zuzulassen. Gelesen wird nur die heilige Schrift, Ende aus basta!

Der militärische Arm der Sebalder unterstützt die VAG an den Toren der Stadtmauern. Hierfür verpflichten sich die Mitglieder des Stadtrats zum regelmäßigen Besuch der Gottesdienste, zu denen auch, wie es seit jeher Sitte war, auch den Klingelbeutel herum wandern zu lassen.

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Es war ein ganz unscheinbarer Stahltag, wie die Stadt einige im Monat kennt, als ein vermummter Mann mit langem, grauem Haar durch die gewaltige Pforte der Sebalduskirche trat. Er warf dramatisch seinen staubigen Mantel von sich und präsentierte sich in einer schwarz-roten Lederrüstung, die an den wichtigsten Stellen mit goldenen und silbernen Ornamenten verziert und verstärkt worden war. Spruchbänder flatterten an seinem Gürtel und wiesen das schwere Wachssiegel der ewigen Stadt auf, dem Sitz der Bruderschaft des Kreuzes weit im Süden, hinter dem Burner-Pass und den gewaltigen Bergen, die jener durchzog.

Dieser romanische Gesandte verkündete einen Beschluss, der in den Ohren der meisten Sebalder wie eine Warnung oder sogar ein Ultimatum klang: Die Zusammenarbeit mit der Diehl Brigade und jedem anderen, der auch nur im Entferntesten mit den Ketzern von der Armee des Stahls zu tun haben soll, sei unverzüglich einzustellen, sonst drohe jedem, der diese Weisung missachtet die völlige Exkommunikation aus der Bruderschaft. Einige der Sebalder, die sich in erster Linie wegen einem Dach über dem Kopf und etwas Brotsuppe im Magen dem Kult angeschlossen hatten, wussten mit dem Wort nichts anzufangen, so wurde ihnen schnell auf die Sprünge geholfen: Du fliegst nicht nur auf Erden aus der Kirche, sondern fliegst auch nach dem Tod direkt in die verstrahlte und infernale Unterwelt, deine unsterbliche Seele wird für alle Zeit von den dämonenhaften Mutanten und Monstern dort gequält und gefoltert und das für alle Ewigkeit, kein Pardon, keine Begnadigung, kein Ende in Sicht. Ein ewiger Albtraum, keine halben Sachen und das alles im vollen Bewusstsein, selber Schuld an der Misere zu sein.


Die gemeinsamen Patrouillen der Sebalder und der Diehl Brigade gehören also der Vergangenheit an: Keine Schwertträger mehr, die den Nahkampf übernehmen, wenn Mutantenklüngel aus den Ruinen brechen und den Wassermaxx überrennen wollen und keine Verstärkung mehr auf den Mauern, die nach Raider-Banden und verrückten Sipplingsstämmen Ausschau halten.

Der Patrizierrat hat einen neuen Wachplan verfügt, der die Stadtmauern und Aufgaben unter den beiden Kulten verteilt, so dass nirgendwo gemischte Truppen aufgestellt werden, in der Hoffnung, dass diese eher formale Geste den romanischen Stuhl besänftigen würde. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Angst vor dem Ausschluss aus der Mutterkirche die Sebalder auch aus diesem Arrangement treiben wird.

Die nun verfügbaren Ressourcen setzen die Sebalder auf eine Art ein, mit der niemand gerechnet hat: Obrist und Großmeister Wolfhart rief zum Kampf um die Seele der Stadt auf, wohl auch als Reaktion auf die Pilgerströme und den aktuellen Zulauf der Hinterbliebenen. Prediger der Sebalder stehen auf den Straßen und an den Kreuzungen und rufen heiser und laut zur Umkehr und der Rückkehr zu den alten Werten auf, auch wenn diese niemand so richtig in Erinnerung hat. Geiferndes Zitieren der Schrift und wütendes Verdammen aller in den Augen der Sebalder schlechten Menschen, die sich aufführen wie bereits Seelenlose, arten in Gewalt aus, von Seiten der Hetzenden, als auch von Seiten der Beleidigten. Der Norisianer lässt sich halt nicht gern vorschreiben, wie er sein Leben zu führen hat. Nun musste auch die VAG auf den Plan treten, als eine Rotte von jungen Sebaldern mit Knüppeln bewaffnet ein stadtbekanntes Hurenhaus in Trümmer legte und alle Besucher und Dienstleister dort zu Klump schlug.


Die Spitalgeister


[Medical Corps]


Die Noris ist gewachsen, seitdem der ursprüngliche Grundbestand aus dem Bunker kam und sich seine alte Heimatstadt wieder erobern musste. Anfangs reichten die Bunkerärzte noch aus, die Bedürfnisse und Notwendigkeiten der Seuchenbekämpfung einer Metropole in den Kinderschuhen zu erfüllen. Selbst als die Bunker-Ärzte anfingen, in großer Zahl ihre Nachfolger auszubilden, kam man noch verhältnismäßig gut über die Runden.

Aber spätestens nach der großen Demontage des heutigen Ödlandes um die Noris und dem großen Strom von Menschen, die es in die sichere Stadt zog, stießen die Ärzte bald an ihre Grenzen. Der damals sehr junge Stadtrat verwies sie in das alte Spital über dem Fluss, und die Ärzte freuten sich zuerst sehr über ihren neuen Standort.

Was leider niemand mehr so richtig wusste: Das Spital war die letzten Jahrhunderte ein Restaurant gewesen! Man fand also nicht mal richtige Betten vor. Quasi im selben Atemzug erreichte ein großer Treck von ehemals weiß gekleideten Gestalten die Nordtore der Stadt. Alles und jeder, was aus der Uni-Klinik von Erlangen überlebt hatte, stand vor den Toren. Diese tapferen Seelen waren eine Ewigkeit unterwegs, denn den Tumor sicher zu umgehen war ein Abenteuer für sich gewesen. Schutz für die Reise bekamen sie von einem Trupp Söldner, den sie mit teuren Medikamenten bezahlt hatten. Diese Soldaten wollten einen gute Zeit in der Noris haben, denn mit einer Finanzspritze des Stadtrates karrten sie mit mehreren Dutzend Freiwilligen aus der Bevölkerung alles, was man aus den Kliniken Nord und Süd der Stadt retten konnte ins Geister Spital.

Als Jahre später die Jungs und Mädels vom Medical Corps die Stadt erreichten, wurden sie freudig und wie alte Kollegen aufgenommen. Die Noris erklärte sich bereit, als Außenposten und Ausbildungsstelle für die Organisation zu agieren.

Das Geisterspital ist exklusiv mit dem Stromnetz des alten Bunkers verbunden. Dort gehen die Lichter nie aus, nur ab und zu huscht ein weißes Gespenst an einem der vielen Fenster vorbei.


Die DATEV


[Web]


Die Datev ist in unseren modernen Zeiten ein Hort des unendlichen Wissens und vielleicht eine der letzten Hoffnungen des Ödlands, eines Tages wieder im urtümlichen Glanz zu erstrahlen. Wenn es um Wissen geht, Bedienungsanleitungen, Fachliteratur, Romane und Geschichten, Baupläne oder sogar Kochrezepte: Die Datev hat es auf Platte. Oder als Datenfragmente, als Holo-Disc, als Magnetband, als Wachswalze, Buch, Zeitungsausschnitt oder Video-Kassette. Irgendwo. Irgendwie. Soviel wie eben zu retten war, nach dem großen Knall.


Doch der alte Datev ist nicht dumm und lässt eine Horde von Analphabeten oder größenwahnsinnigen Technikjünger wie das Web, das Rabenkorps oder Enklaventrupps der Regierungsbunker einfach in sein Heim ein. Wer etwas wissen will, darf sich gerne ein Buch ausleihen. Ein Buch, das ist ein Handlanger des Datev, dessen einzige Aufgabe es ist, sich den Inhalt eines Werkes, also Theaterstücke, Geschichten, Anleitungen, Abhandlungen und so weiter zu merken. Auswendig und genau. Geübte Bücher können auch vorspulen, während die Regel eher so aussieht, dass man das Buch anfängt und es ausreden lässt.

Nicht jeder hat das Zeug zum Buch und mehrmals im Jahr klappert der alte Datev schwer bewacht die umliegenden Waisenhäuser und Stammesgebiete ab, prüft die Kinder dort auf ihre Tauglichkeit und nimmt sie mit in seine kleine Festung, wo er „den Trichter“ ansetzt. Was das genau ist, weiß keiner so genau, aber die Hirne der Kleinen sind danach wie trockene Schwämme: Gierig, was aufzusaugen.

Bücher sind in Mode. Immer wieder werden ausgeliehene Bücher auf kleine Bühnen gestellt und Eintritt dafür verlangt, ihnen zuhören zu dürfen. Wer dabei erwischt wird, wie etwas vom Gesagten aufgezeichnet wird, z.B. auf einem Walkman, der  kann auch gleich Holz hacken gehen. Wenn die VAG nicht im Auftrag vom alten Datev selbst Aufsicht hält, kümmern sich gut bezahlte Schicht-Schläger um den nötigen Respekt vor den Werken des Urvolks. Einfach Kopieren, das geht ja nicht. Wo kämen wir denn da hin, wenn das jeder machen würde?

Ein ausgeliehenes Buch darf man natürlich mit sich mitführen, ist dann natürlich auch für dessen Unterbringung und Verpflegung zuständig. Sollte jemand seine Ausleihfrist übertreten, tritt die Söldnergilde der Noris auf den Plan und holt sich zurück, was dem Herren Datev gehört.


Die Schüttklopfer

 

[Scavenger]


Die Bengatz umschliesst eine seit jeher völlig von Ratten durchsetzte Insel, die Insel Schütt. Es dauerte nicht lange, da waren die Tiere im Tiergarten aufgefressen und die postapokalyptischen Franken suchten eine neue Fleischquelle. Tumor hatte es vorgemacht und einfach angefangen, sich selbst aufzufressen. Aber der Franke ist tief in seinem Herzen ein tugendhaftes Wesen, dass sich die Vernunft bewahren will. Also kam man auf den Klopfer. 

Klopfer sind Rattenjäger, die die alten Heizungsrohre und Abwasserkanäle der Stadt kennen. Obwohl sie stinken wie ein Iltis in der Brunft und sich in ölige Lumpen hüllen, haben sie einen hohen sozialen Status. Der Job eines Klopfers sieht so aus. Er kennt die Millionen Ratten unter der Stadt zwar nicht beim Namen, aber er kennt ihre Brunftzeiten und Lieblingsplätze. Einige Klopfer begeben sich mit ihren Klopfern, das sind lange stöcke mit viel Geklimper und Gebimmel an der Spitze, an die Öffnungen der vielen Rohre, und Klopfen laut. Die Ratten werden durch das abgestimmte Klopfen an mehreren Ausgängen dann zu einem bestimmten Rohr gelenkt, wo der Fänger schon mit seinem Sack wartet. Wenn der Sack voll ist, ist die Jagd vorbei und alle Klopfer legen Leckerlis für die Ratten aus, damit deren Lieblingsplätze auch erhalten bleiben. 

Der Rattensack wandert direkt in die Weiterverarbeitung zu Leder und dem berühmten Rattenhack, der Grundzutat für die berühmter Nürnberger Rostrattwurst.


Relktjäger


[Scavenger]


„Oh nein, so ein RATTENHACK!!! SCHEISSE!!!“

„Was ist passiert!?“

„Das Ding ist durch. Aus und vorbei. Das war das Letzte.“

„Oh …. uhm ….. und was machen wir jetzt?“

„Naja, wir warten bis der alte Diehl uns den Kopf abreißt, weil die Produktion steht.“

„Wir könnten immer noch … naja, weglaufen?“

„Da kannste ja gleich Holz hacken gehen....“

„FUCK!!!“

Und da tritt eine gepanzerte Gestalt, mit einem langen Staubmantel, einer Kapuze im Gesicht und einer Gasmaske um den Hals aus dem Schatten und sollte, so sie halbwegs professionell ist, etwas sagen wie „Mädels, dud ma'n Buck raus. Zeigt das Teil ma her.“ In einer Welt, die nicht mehr auf Überproduktion und riesige Lagerhallen voller Ersatzteile zurückgreifen kann, musste sich dieser Berufsstand quasi herausbilden.

Womit jedoch niemand rechnen konnte, war dass diese tapferen bis wahnsinnigen Ödlandpioniere ihre ganz eigene Kultur auf die Beine stellen würden. Relikte finden, Ersatzteile besorgen, Mutanten jagen, Karten zeichnen, Gegenden erkunden, „als erster irgendwo rein klettern“ und Trecks sicher durch die Anomalien des Ödlands führen: Die Reliktjäger können das. Quasi jede Kneipe der Noris hat mindestens einen von ihnen in einer dunklen Ecke sitzen und auf einen potentiellen Auftrag lauschen.

Schlecht leben sie nicht, die Reliktjäger. Angeblich hat jeder von ihnen, der was auf sich hält, im Ödland ein geheimes Schatzlager für die ganz besonderen Fälle, wie Teile, die immer wieder gebraucht werden. Stirbt ein Reliktjäger, stirbt auch das Wissen um seinen Schatz mit ihm, insofern hat die VAG ihnen einen gewissen Sonderstatus  eingeräumt. Die Stadt könnte es nur schwerlich riskieren, gerade den einen Jäger zu vergraulen, in dessen Schatz die gerade benötigte Reliquie liegt.

Eine mit den Jägern aufgetauchtes Schmankerl in der Noris ist der „Jagertee“, quasi ein Getränk aus aufgegossenen Brennnesseln und der zur Verfügung stehenden Sorte Schnaps oder Destilat. Der Jagertee wird heiß serviert! Die meisten Jäger finden sich in der Claymore´s Mine und in der Endstation ein.


Die DIEHL Brigade


[Söldnergilde]


„Das hier ist mein Gewehr. Der Diehl hats mir gegeben. Ich muss mein Gewehr beherrschen, weil der alte Diehl die Munition abzählt. Deswegen hab ich diesen Knüppel mit den Nägeln immer hier hinter den Sandsäcken. Wir dürfen keine eigenen Waffen am Körper tragen. Der alte Diehl meinte, da wär keine Garantie drauf. Aber aufs Gewehr schon.

Solange ich hier meinen Dienst mache, gibt’s daheim was aufn Teller. Meine Frau und mein Kleiner haben beide VAG-Karten und solange ich hier stehe, bleibt das auch so. Das Geisterspital kümmert sich um uns, wenn wir krank sind und der Sold reicht für eine warme Bude. Als Soldat muss ich nichtmal diese Tagschicht-Nachtschicht mitmachen. Das hat der alte Diehl für uns durchgesetzt. Naja, und nun sitz ich hier am Plärrer und warte. Die meiste Zeit gucken wir Richtung Tumor. Richtig heiß her geht’s, wenn die Wasserwagen kommen. Irgendwie macht mich das schon stolz, ganz vorne dabei zu sein und die Noris zu schützen. Meinen Beitrag zu leisten. Wenn du mich jetzt entschuldigst, ich hab was abzuknallen.“